Schahr-e Suchteh‎, weitere SchreibweisenShahr-I Sokhta, Shah-re Sokhteh, Shahr-e Sukhteh, Shahr-e Sookhte; wörtlich „Verbrannte Stadt“) ist ein archäologischerFundort am Ufer des Helmandflusses in der Provinz Sistan und Belutschistan im Iran. Er befindet sich auf halber Strecke zwischen den Städten Zabol und Zahedan im antiken Turan. Der Ort liegt in einer Salzsteppe - nur an den Ufern des perennierenden Flusses befindet sich Galeriewald. Schahr-e Suchte wurde Juni 2014 in die Liste der UNESCO-Weltkulturerbestätten aufgenommen.

Grabungsgeschichte

Erste Ausgrabungen erfolgten 1967-78 durch das Iranische Zentrum für Archäologische Studien und das Italienische Institut des Mittleren und Fernen Ostens. Weitere Untersuchungen erfolgten 1979–1997 und später. Eine Veröffentlichung der Forschungsergebnisse ist in Planung.

Der Fundort

Mit einer Größe von mehr als 300 Hektar gilt der Fundort als größte prähistorische Fundstätte im Iran. Weitere 40 Satellitenstädte wurden in ihrem Umfeld ausgemacht . Die Fundstätte lieferte wichtige Informationen überbronzezeitliche Besiedlungen der Region (3. Jtd. v. Chr.).

Die Stadt wird in vier Bauperioden unterteilt und wurde insgesamt dreimal abgebrannt.

 

Periode I ist nur aus Tiefschnitten bekannt. Schahr-e Suchte hatte zu dieser Zeit sowohl Kontakte mit Elam (eine proto-Elamitische Keilschrifttafel und Siegel wurde in Tiefschnitt XDV gefunden) als auch mit dem südlichenTurkmenistan. In Periode II dehnte sich die Siedlung stark aus, verschiedene Handwerke, wie die Herstellung von Perlen aus Halbedelstein, Korbflechterei und die Wollverarbeitung lassen sich nachweisen. Periode III zeigt eine starke Erweiterung der Siedlung und Belege für soziale Differenzierung. Keramik wird unter anderem aus Mundigak(Afghanistan) und dem Quetta-Tal in Pakistan importiert. Nach der Zerstörung um 2100 wurde die Siedlung weitgehend verlassen, wie auch andere Fundstellen in Sistan und in Turkmenistan.

Schahr-e Suchte lag an der sogenannten Amu-Straße, die aus Zentralasien über Samarkand, Buchara, Merw, Sarachs, Maschhad, Gonabad und Schahr-e Suchte weiter nach Kerman, Tepe Yahya nach Hormuz führte, von wo die Waren mit Schiffen nach Mesopotamien transportiert wurden.

Funde

Der größte Teil der Funde wurde auf die Zeit zwischen 2700 und 2300 v. Chr. datiert. Sie lassen darauf schließen, dass die Stadt ein Knotenpunkt der persischen mit der mesopotamischen, indischen und chinesischen Zivilisation gewesen ist.

Zu den Funden zählen Siegel, ein komplexes Handelsnetzwerk , das älteste bisher gefundene Backgammon-Spiel und bearbeitete Kunststeine aus Alabaster und Sandstein.[2]

Die älteste bekannte Augenprothese, ein künstlicher Augapfel, wurde hier gefunden. Die Archäologen fanden ihn im Grab einer 25-30 Jahre alten Frau und vermuten als Material einen Mix aus Teer und Tierfett.

Unter der Salzkruste haben sich auch organische Reste ausgezeichnet erhalten. Es wurden feine Leinengewebe wohl lokaler Herkunft (Nachweis von Leinsamen), aber auch Fasern von Sunn-Hanf (Crotalaria juncea), der aus Südasien stammt und Jute (Corchorus) gefunden, die ebenfalls weitreichende Handelsbeziehungen belegen.

Lapislazuli, ein blaues Mineral, wurde als Rohmaterial in Form von kleinen Blöcken, halbfertig bearbeiteten Teilen und geschliffenen Perlen gefunden. Dazu gehörten Geräte zur Steinbearbeitung: über 200 Bohrer und 50 Klingen ausFeuerstein, Stößel, ein Hammer und mehrere Glätter aus Jaspis. Die Funde gehörten zu einer zwischen 2600 und 2400 v. Chr. datierten Werkstatt, in der Lapislazuli-Perlen hergestellt wurden. Das eingeführte Mineral stammte aus der 2000 Kilometer entfernten nordostafghanischen Provinz Badachschan.